Kerstin Preiwuß

Es ist windstill.
Bloß die Mücken ficken.
Du musst dein Leben ändern.
Ich werd mein Kleid flicken.*

* Nach einem Buch ist vor dem nächsten. Die Zeit dazwischen lässt sich nur schwer aushalten, weil sie auf Rechenschaft pocht. Ich tue ja nichts, ich lese nur nachträglich vor. Hilfreich ist es, während des ersten Buches bereits an das nächste zu denken. Das klappt ganz gut, denn Fertigstellung und Erscheinen liegen meist Jahre auseinander. Was ins Buch mündete, ist längst zu Ende gedacht, der Antrieb erloschen, das Vorlesen daraus unerträglich, weil es einen in eine Rolle zwingt. Man kommt sich vor wie ein Hochstapler und ist gehemmt. Gleichzeitig beschützt das alte Buch auch das neue, weil niemand dessen Anfänge kennt. Keiner weiß was, niemand sieht mir beim Schreiben zu, das ist der Moment, ab dem etwas Anlauf nimmt. Die unsichtbare Arbeit beginnt und bis zur Niederschrift bin ich frei und handle ausschließlich selbstbestimmt. Die Welt kann mich mal und je mehr sie mich vergisst, desto besser. Was sich entspinnt, erscheint richtig, fügt sich und ist dennoch nicht festgelegt. Das Buch ist dann so, wie es sein soll, aber leider nie wird. Ich möchte so lange wie möglich in diesem Zustand verharren. Ich will nur an meiner Quelle sitzen bleiben.